Wie beim ersten Mal

Hope Springs. USA 2012, 100 Min., dF, 35mm, Regie: DAVID FRENKEL
Buch: V. Taylor  Kamera: Florian Ballhaus  Musik: Theodore Shapiro
Mit: MERYL STREEP, Tommy Lee Jones, Steve Carell, Jean Smart, Elisabeth Shue


Die denkbar größte Entfernung liegt zwischen zwei Schlafzimmern. In einem schaut sich eine Frau im Spiegel an, sie will schön sein für ihren Mann. Der ist am anderen Ende des Flurs bereits im Bett, noch ein paar Seiten Lektüre, dann Licht aus. Es ist ein weiter Weg aus der Angst heraus, durch die Scham hindurch, an den Zweifeln vorbei bis sie klopft und fragt: „Willst du heute Nacht bei mir schlafen?“ Und er sagt: „Wieso, ist was mit der Heizung?“ Körperlich ist nicht mehr viel los zwischen Kay (Meryl Streep) und Arnold (Tommy Lee Jones).
Obwohl sie nach 30 Jahren Ehe einiges vorweisen können: Eigenheim, erwachsene Kinder, Erfolg im Job. Aber Kay will wieder „angefasst“ werden. Weil  Arnold nicht auf ihre Annäherungsversuche reagiert, beschließt Kay, durch eine Paartherapie ihre Ehe zu retten. Der Therapeut fragt nach Vorlieben, gibt ihnen Hausaufgaben auf. Und so langsam, in dem Maße wie Arnolds verkrustete Ist-doch-alles-ok Miene bröckelt, nähern sich die Beiden an. Meryl Streep und Tommy Lee Jones spielen das so gekonnt, wie man das von ihnen erwartet. Minimale Gesten, reizende Ticks, dazu die stets schwelende Schüchternheit einer Generation, die mit ihrer Sexualität unter der Bettdecke bleibt. Die Darsteller sind ein Glücksfall und der Film gehört zu den großen Kinomomenten im letzten Jahr. (Spiegel/FAZ)